TRIMMEN

Trimmen wird häufig als Synonym für „Zurechtmachen“ verwendet. Viele Besitzer meinen mit dem Begriff die Pflege beim Hundefrisör.

 

In der Fachsprache bedeutet das Wort „Trimmen“ das Entfernen von abgestorbenem Haar.

 

Immer wieder stoße ich auf Hundehalter und sogar Züchter, die das Trimmen ablehnen, da es dem Hund angeblich Schmerzen verursacht. Oder auf Besitzer, die ihren Hund vermeintlich regelmäßig trimmen ließen, das Fell jedoch immer feiner und stumpfer wurde und so das Haar aufgrund falscher Technik nicht mehr trimmfähig war.

 

Hier möchte ich mit diesem Vorurteil aufräumen und den richtigen Vorgang und Sinn des Trimmens genau erklären.

 

Generell ist zu sagen, dass es verschiedene Felltypen gibt, die getrimmt werden können.

·         Einerseits das weiche Trimmfell, wie unter anderem beim Cocker Spaniel, Setter oder Afghanen

·         Andererseits das feste, harte Trimmfell, welches bei sogenannten Trimmrassen vorkommt. Dazu zählen beispielsweise die große Anzahl der Terrier, wie Parson Russel T., Caine T., Welsh T., Airedale T., West Highland T. uvm, ebenso wie unter anderem der Schnauzer, Rauhaardackel und viele Mischlinge rauhaariger Rassen

Warum sollte man einen Hund trimmen lassen?

Ein typisches Trimmfell besteht aus drei Schichten:

 

 

 

  1. Lebendiges, farbintensives Haar (orange)
  2. Raues, langes bereits totes Haar, nicht mehr mit einer Wurzel verankert (blau)
  3. Unterwolle (grau)

          Lebendiger Nachwuchs (rot) dargestellt

Bild 1:

Mit diesen drei Fellschichten ist ein sogenanntes „rolling coat“ beschrieben, das typische Trimmfell. Das lange, drahtige Haar ist nicht mehr mit Wurzeln in der Haut verankert. Das tote, abgestorbene Haar sitzt lose in der Haut. Beim Trimmen wird genau diese Fellschicht entfernt. Darunter bleibt das lebendige, farbenintensive Haar stehen.

Wird also tatsächlich das abgestorbene Fell entfernt, entstehen dem Hund keinerlei Schmerzen, da es sich lose in der Haut befindet.

 

Bild2:

Ist das tote Haar entfernt haben die nachfolgenden, jungen Haare (rot dargestellt) wieder genug Platz auf der Haut um kräftig nachzuwachsen. 

Bild3:

Das lebendige Haar wächst weiter, die Wurzeln sterben ab und es wird so zum losen, locker in der Haut sitzendem Haar (orange -> blau), wie oben beschrieben.

 

Da wo durch das Trimmen Platz geschaffen wurde, haben nun die neuen Haarknospen ausreichend Möglichkeit zu wachsen und werden zum lebendigen Haar (rot->) wie oben beschrieben.

 

So bleibt das „rolling coat“ erhalten und bietet dem Hund das ganze Jahr über ausreichend Schutz vor Wind, Wasser, Sonne und Kälte!

 

Aufgrund dieser Tatsache sollte regelmäßig getrimmt werden, in den Abständen, die das Haar selbst vorgibt. Dies ist abhängig von Rasse, Witterung und variiert ebenfalls von Hund zu Hund.

 

Ausnahmen bestätigen die Regel

 

Es gibt Hunde mit sehr empfindlicher Haut. Auch wenn das Entfernen der abgestorbenen Haare nicht schmerzhaft ist, öffnet man damit die Poren und es kann sensible Haut reizen. Ich empfehle allen meinen Kunden den Hund nach dem Trimmen baden zu lassen. Dies wirkt reinigend und beruhigend auf die Haut.

 

Beobachtet man als Hundefrisör, dass ein Hund zu sensible Haut hat und die Reizungen übermäßig stark sind oder von einem Termin auf den anderen zu nehmen, sucht man natürlich das Gespräch mit dem Besitzer. Hier gilt es dann abzuwägen, ob man zum Wohl der Hautgesundheit auf das Trimmen verzichtet. Doch dies kommt sehr selten vor!

Woher kommen die Vorurteile - Trimmen tut weh?

Das Vorurteil – Trimmen fügt Hunden Schmerzen zu – hat leider einen wahren Kern:

 

Leider gibt es überall schwarze Schafe. Wird das Fell zu einem falschen Zeitpunkt oder mit der falschen Technik getrimmt, ist der Vorgang schmerzhaft und kann zu Hautverletzungen führen. In diesen Fällen werden nämlich die lebendigen Haare, die noch mit ihrer Wurzel fest verankert und mit Nerven versorgt sind herausgerissen. Dies ist absolute TIERQUÄLEREI und hat in einem seriösen Hundesalon nichts verloren!!

 

Um sich Aufwand und Geld zu sparen gibt es auch Züchter und Hundehalter, die absichtlich ihre Tiere komplett nackt trimmen (sprich alle Haare, auch das lebendige Haar) um sich längere Zeit nicht mehr um die Pflege kümmern zu müssen. Für Ausstellungsbesuche wird dies gerne praktiziert und von den Züchtern so an Kunden weiter gegeben, ohne zu erwähnen wie schmerzhaft dies für die Vierbeiner ist!

 

Ein seriöser Hundefrisör, der sein Handwerk versteht, berät seinen Kunden jedoch genau über Reifegrad des Fells und die mögliche, hundefreundliche und korrekte Pflege!!

Was passiert wenn Trimmfell falsch oder nicht getrimmt wird?

Nun wissen wir wie trimmen funktioniert. Was nun, wenn ich das Fell schneide anstatt es zu trimmen?

Das lange drahtige und das lebendige Haar werden durch das Schneiden, Scheren oder Trimmen mit einem schneidenden Trimmmesser auf ein und dieselbe Länge gebracht.

Immer und immer wieder. Die bedeutet, dass ich als Hundefrisör, das tote vom lebendigen Haar nicht mehr unterscheiden kann und somit auch nicht mehr trimmen kann (sonst würde ich den Hund verletzten). Nach und nach ist die Haut voll mit Haaren, da immer wieder nachproduziert wird, jedoch kein Platz geschaffen wird. So wird nachkommendes Haar immer dünner und weicher. Es verliert an Farbe und Glanz. Ebenfalls ist der Schutzfaktor, den das drahtige Haar bietet weg.

 

Das Rauhaarfell wird kaputt.

 

Viele Kunden kommen zu mir und sind erstaunt, wenn ich ihnen erkläre, dass ich den Hund nicht trimmen kann. „Er wurde immer getrimmt“ wird mir dann versichert – ja das kann sein, doch wurde vielleicht mit dem falschen Werkzeug getrimmt. Gerne werden schneidende Trimmmesser verwendet. Diese machen beim Kunden einen professionellen Eindruck, da man ja „trimmt“, jedoch machen sie nichts anderes als eine Schere oder eine Schermaschine – sie bringen das gesamte Fell auf eine Länge. Aus Unwissenheit oder gezielt verwendet, sparen sie dem Hundefrisör Zeit, ruinieren jedoch das Fell!

 

Wird ein Hund zulange im „reifen Fell“ gelassen, kann das zu Juckreiz und vermehrtem Haaren führen. Für des Fell bedeutet es, dass obwohl Haare weiterproduziert werden, es auf der Haut immer enger wird und das nachkommende Fell nicht in der starken Form nachkommen wie nach dem trimmen sondern dünner werden.  Wird der Hund danach getrimmt, kann es vorkommen, dass das Fell darunter sehr schütter oder dünn ist. Dies bedeutet dann nicht es wurde falsch getrimmt, sondern der Hund war bereits zu lange überfällig. Wird danach wieder regelmäßig auf die Fellpflege geachtet, rehabilitiert sich das Haar wieder.

Wann und wie oft wird getrimmt?

Je nach Fellwachstum, Fellqualität, Witterung und Stoffwechsel des Tieres ist der Abstand in dem getrimmt wird unterschiedlich. Für jedes Tier muss man gemeinsam mit dem Besitzer den richtigen Rhythmus finden. Manche Hunde kommen nur zweimal im Jahr, andere viel öfter. Generell kann man sagen, alle 8-12 Wochen sollte das Fell getrimmt werden.

 

Ihnen ist sicher schon aufgefallen, dass ihr Hund nach der Pflege kaum haart. Wird sein Aussehen zotteliger, beginnt er vermehrt Haare zu verlieren, kratzt er sich häufiger – dann ist der Zeitpunkt da, das alte Haar zu entfernen.

 

Ich biete meinen Kunden auch gerne an, kurz im Salon vorbei zu schauen, um dann mit ihnen gemeinsam zu entscheiden, wann der richtige Zeitpunkt zum Trimmen sein wird.

Bis man den richtigen Rhythmus gefunden hat kann es einige Zeit dauern.

Zusammengefasst:

Trimmfell sollte unbedingt regelmäßig getrimmt werden. Dies hält die Fellgesundheit, den Schutzfaktor des Fells, die Farbe, den Glanz aufrecht und trägt zur Hautgesundheit bei.

 

Sie sollten jedoch auf kompetente Beratung achten und sich einen Hundefrisör mit Erfahrung im Handtrimmen suchen!

 

Jeden Hund mit Trimmfell kann man trimmen. Unabhängig vom Rassestandard sind die verschiedensten Frisuren möglich.

Beispielsweise lässt sich ein Irischer Wolfshund großartig trimmen. Die oft so wunderschönen Farben und Zeichnungen kommen nach Entfernen der grauen Zottelhaare richtig schön zur Geltung. Die Besitzer sind oft erstaunt und kennen ihren eigenen Hund nicht mehr. „Wir wussten gar nicht wie schön deine Farben sind“ – höre ich dann oft.

 

Das wundervolle an einem Trimmhund ist:

 

Man hat über viele Jahre immer wieder die Möglichkeit ihn anders aussehen zu lassen!

Also, wenn sie keinen typischen Rassehund haben, aber einen mit Trimmfell, scheuen sie sich nicht es auszuprobieren – abgesehen von der Gesundheit - Haare wachsen wieder! - mehr als das ihnen der Kurzhaarlook nicht zusagt, kann nicht passieren, in wenigen Wochen ist ihr Stuppel zurück.

 

Gerne stehe ich Ihnen für Auskünfte oder Anfragen zur Verfügung!

 

Cornelia Griehsler